EIN AUSFLUG NACH ROBECCO SUL NAVIGLIO

 

EINLEITUNG

Die Entwicklung der Ortschaft Robecco sul Naviglio fing um ca. 1400 an, als Sommerresidenz der mailänder adeligen/vornehmen Familien: die hier entstandenen Villen dienen als Beweis.

Als Orte der Sommerresidenzen waren die Ufern des Naviglio Gande (großer Schiffartskanal) beforzugt, weil dieser gegenüber den Landstraßen mühelosere und sicherere Verbindungen bietete. Ausserdem diente das Kanalwasser zur Bewässung der Parkanlagen sowie der Gärten der Villen und half die Architektur derselben zu beleben.

Die Villen in Robecco mit seinem Kanal bilden heute eine hochwertige geschichtliche und artistische Einheit.

VILLA TERZAGHI

TERZAGHI.jpg (128022 byte)Die Villa Terzaghi ist die einzigste Villa, die entfernt vom Schiffartskanal, am Ortsrand von Robbecco und an der Straß nach Casterno entstand, im antikesten Zentrum der Zone mit römischer Herkunft, sie war somit in direkter Verbindung mit dem Grundbesitzer der Familie. Sie gehörte immer den adeligen Terzaghi, bis zum Jahr 1882, als sie von Carlotta, Tochter des verstorbenen adeligen Carlo an das mailänder Waisenhaus für Mädchen "Stellae" gestiftet wurde.

Sie ist gekennzeichnet mit vier Pfeiler, geschmückt mit Statuen, mit einem wunderschönen Eingang, der zum Hof führt: am Ende ist die Villa, seitlich sind weitere Pfeiler, die zwei Eingänge begrenzten, links in Richtung der Geräteschuppen und rechts zu den Räumen mit vorliegender Kapelle, bestehend aus einer Apsis-ähnlichen Halle, wovon nach der Bombardierung im letzten Krieg lediglich die Eckpfeiler mit Grundrissmauern übrig geblieben sind.

Ausser dem Gebäude besteht eine große Wiese, die mit einem weiteren Gittertor endet und axial den Weg zum freinen Ackerland öffnet.

Die Villa im einfachen Stiel ist eines der besten Beispiele aus dem achzehnten Jahrhundert, d.H. lombardischer Barock. Sie ist in drei Teile aufgeteilt, mit gleicher Breite, der mittlere Teil ist im Erdgeschoß mit drei Bögen geöffnet, die glatte Vorderseite endet mit einem gebogenem Giebel, sodaß die zwei seitlichen Brückenfelder fast als Flügel fungieren, wobei dazwischen eine große Terasse ist.

VILLA SCOTTI

SCOTTI.jpg (18492 byte)Der Straße nach Abbiategrasso entlang erhebt sich der Palast Scotti, heutiges Rathaus, entstanden als Wohnhaus und nicht als Sommerresidenz, um in Robecco hervorzuragen und nicht um sich im Kanal zu spiegeln.

Die Scotti stammen nämlich aus Robecco, eine Imkerfamilie. Hier wohnten sie bis vor ca. 60 Jahren, bis der Palast Sitz der lokalen Gemeineverwaltung wurde.

Das Gebäude hat eine charakteristische U-form, mit leicht unregelmäßigen Flügeln, die bis zur Mitte des Hofes reichten, wo eine kurze Reihe von Kiefern anfing.

Die Vorderseite ist dreiteilig: zwei einfache seitliche Flächen, der zentrale Teil ist wiederum mit Halbsäulen dreigeteilt. Dieses dominierende Ornament ist überhalb des Hauptgesimses mit einer falschen Brüstung vervollständigt. Die Rückseite ist einfach und ohne Verzierungen.

Der rechte Flügel im Erdgeschoß wurde als Honiglager verwendet, im linken Flügel waren Wohnungen für die Dienerschaft und der mittlere Teil mit seiner Vorhalle und der Prunktreppe (einfach in der Dekoration, aber ausreichend groß, um in die Säle des oberen Stockwerkes zu gelangen), waren für die Vertretungen.

Im ersten Stock des Hauptgebäudes waren die Empfangshallen und in den Flügeln die Schlafräume.

Im ersten Stock sind noch 3 Räume mit originaler Dekoration; die Wände des mittleren Saales sind mit falschen Säulen auf ockergelben Untergrund und die Türen mit Königsadlern verziert. Der rechte Saal hat Tapeten aus damastartigem Gewebe mit blauem Untergrund und der dritte Saal hat in der mitte der Decke ein ovales Gemälde mit kleinen Engeln.

Die architektonische und dekorative Linie zeugen von einer Konstruktion Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Man spricht von einem Piermarini als Unterzeichner.

VILLA GROMO DI TERNENGO

gromo.jpg (407474 byte)Diese Villa erscheint auf dem selben Platze einer anderen Villa der Casati aus dem sechzehnten Jahrhundert, die wiederum das Schloß von Robecco ersetzt hat.

Die Villa wurde von den Casati im Jahar 1679 erneuert. Von Casati wurde die Villa mehrmals vererbt, immer an weibliche Geschlechter. Heute gehörte die Villa den Wild-Nachkommen.

Sie besteht aus einem halbkreisförmigem Eingang, einem Hof, einem Gebäude und aus einem Garten, die auf einer einzigen über 800 m langen Achse angeordnet sind und endete in einer großen Nische, die heute verlassen ist, plaziert längs der Straße von Robecco nach Cassinetta. Während der Hof sehr eng ist, weil er sich zwischen den Villen Gandini und Scotti befindet, erstreckt sich dcr Garten auch in die Breite, wobei er den Platz zwischen dem Kanal und der Straße, die Abbiategrasso und Robecco verbindet, einnimmt.

In der Mitte des großen Haslbkreises befindet sich ein Eisentor, das noch das Zeichen " N " der Familie Negrotti trägt. Danach kommt der Hof, heute bepflanzt, eingeschlossen vom Geräteschuppen linker Seite, der Begrenzungsmauer mit der Kapelle auf der rechten Seite und der Villa.

Diese ist U-förmig mit Flügeln, die zum Garten zeigen. Der Eingang ist in 3 Teile aufgeteilt: zwei kleine seitliche Flächen und eine großes zentrales Brückenfeld, geöffnet durch einen Gang mit 3 Bögen auf Säulen, verdoppelt im Untergeschoß. Unter dem Bogengang sind sehr beschädigte Gemälde mit weiblichen Figuren. Im Zentrum erscheint eine große Vorhalle, komplett bemalt, die sich zum Garten erstreckt.

Verschieden ist die gegenüberliegende Front, die oben ein geöffnetes Dachgeschoß zeigt in Form einer Galerie mit 3 Bögen mit besonders schlanken Säulen. Ein sehr typisches Gebäude im lombardischen Barock-Stiel. Die Einrichung, die auch intern den Karakter der Villa bezeugt, besteht aus verschiedenen Zeitabschnitten, mit sehr wertvollen Teilen. Auf der rechten Seite ist eine kleine Kirche S. Francesco, die ebenfalls Eigentum dieser Villa ist.

Der hintere Garten hat eine Fläche, die als Blumenbeet angelegt ist, mit 2 Statuen, die zur Villa schauen, während der Rest als englischer Garten angelegt ist; dem Kanal entlang erscheint ein Pavillon mit 4 Pfeiler und mit einem Raum im ersten Stock und ein großes Gesims auf Konsolen, " Sirenelle " genannt, die als Landungssteg diente.

VILLA GANDINI

GANDINI.jpg (289027 byte)Wer den Treidelweg den Kanal hochgeht, begegnet in Robecco als erstes die Villa Gandini.

Die Schönheit des Gebäudes ist sofort warnehmbar, mit der Treppe, die bis ins Wasser reicht und als Landunssteg diente, hervorgehoben durch die angrenzende, sich krümmende Fußgängerbrücke. Sie ist einer der antikesten Gebäunde in der ganzen Länge des Kanals, eine der Ersten mit Villen-Karakter der Lombardei und eine der reichsten an geschichtliche Erinnerungen.

Dieses ist in der Tat die " Villa Gaia " so bereits in der zweiten Hälfte des fünfzehntgen Jahrhunderts genannt, wegen den durchgeführten charakteristischen Festen. Die Konstruktion erfolgte jedoch schon zu früheren Zeiten, dieses beweisen die zugespitzten Fensterbögen, die unter dem Verputz gefunden wurden.

Der heutige Komplex besteht aus der Villa, einer irregolaren Anlage, fast rechteckig, in verschiedenen Formen. Die altertümliche Herkunft sowie merfache Eigentumsänderungen begünstigten wiederhohlte Transformationen, die Letzte im Jahre 1760.

Die heutigen Besitzer haben Restaurierungsarbeiten durchführen lassen und in Bezug auf die Freskomalerei dienten sie sich der Mitarbeit des Malers Franco Milani.

Die Front zur Straße stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert: es ist eine grosse Wand, charakterisiert durch ein Tor aus Bossenwerk, mit dem Wappen der Grafschaft Boromeo und der Konsole unterm Dach.

Alles ist mit Fresken nach Bossenwerkzeichnung und mit farbigen Marmorstreifen versehen, ausserdem gibt es gemahlte Konsolen mit Feldern als Kriegstrophäen dekoriert. Es ändert sich lediglich der letzte Teil der Front zum Kanal: die Wand ist glatt aber komplett verwandelt durch malerische Verzierungen in ockergelber Farbe, die bei der letzten Restaurierung zurückgewonnen wurden und Fensterrahmen vortäuschen. Die Front zum Kanal wird durch 3 kleine Balkone im ersten Stockwerk erreichert , im Erdgeschoß sind im Wechsel Fenster und Türen angebracht und jede der Türen hat eine Verbindungsleiter zur Terasse am Kanal. Längs des Kanals ist eine Brüstung aus dem achzehnten Jahrhundert aus Schmiedeeisen und Schleifstein, richtiges Meisterstück in seiner Art. Durch das Tor erreicht man den Haupthof, ein rares Beispiel der Renaissance, alles mit Frescen bedeckt, ein Säulengang auf drei Seiten, die vierte, die die Prunktreppe enthält, ist mit falschen Bögen bemalt.

Unter dem Säulengang sind verzierte Felder, die Groteske enthalten, mit stilisierten Blumenspiralen, Tieren, mythologischen figuren, usw, zum großen Teil restauriert. An der rechten Seite des Tors, das in den Hof führt, ist eine neuklassizistische Kapelle mit einer Altartafel, der unbefleckten Jungfrau Maria gewidmet, und schöne Wandverzierungen.

Folglich ein kompletter Komplex in allen seinen Teilen und sehr interessant.

VILLA ARCHINTO

 Die Villa Archinto, wegen seinen 2 Türmen “ das Schloß “ genannt, ist sicherlich das bekannteste, aber auch problematischste Gebäude am Schiffartskanal.

Dieses ist ein Werk von Federico Pietrasanta, der bereits mit einem Archinto, dem Grafen Carlo, Gründer der Gesellschaft Palatina und dilettarisch in der Baukunst während des Wiederaufbaues des Teaters von Corte, das durch einen Brand zerstört und im Jahre 1699 rennoviert wurde.

Der Architekt ist im allgemenen wenig bekannt, auch wenn aus seinen wenigen Werken originelle und charakterisierende Persönlichkeiten hervorgehen.

Eine wirklich großartige Anlage; der Wunsch war die Verwirklichung eines Gartens, der gemäß Plan mit einer Mauer umgeben und mit 4 großen Gartenbeeten um einen Springbrunnen versehen war, längs des Kanales auf der Rückseite des Zentralgebäudes.

Von der berümten Wasserstrasse aus war somit sichergestellt, daß man sich an dem wunderschönen Anblick längs der Promenade, die den Garten mit dem Platz hinter der Hauptfront verbindet, erfreuen konnte.

Zwei Landungsstege, einer davon überdacht, waren zum Anlegen der Schiffe vorgesehen.

Der hintere Hof, der mit einem Halkreis endete, stellte den vornehmen Eingang für die von der Ortschaft und vom Feld kommenden Kutschen dar, während der vierte Hof, der gegenüber dem Garten lag und ebenerdig komplett mit einem Laubengang versehen war, verband die Treppe mit der Kapelle.

Daher stellt sich das Problem, ohne phantasievolle Vermutungen, den Raum zwischen dem vorliegenden Projekt und der aktuellen Ruine auszufüllen. Die volkstümliche Tradition wollte, daß die Villa vollstädig für ein grosses Fest realisert, und anschließend abgerissen werden sollte, wobei eine Wiederverwendung der Steine für den Palast Archinto in Mailand, Via Passone vorgesehen war.

Aber diese Idee einer kompletten Vervollstädigung war bestimmt ausgeschloßen, weil im vorgesehenen Plan ein Bauernhof und eine Pforte aus einem vorhergehenden Zeitabschnitt vorgesehen waren, die heute noch gut erhalten sind. Zu diesen Informationen gesellt sich ein Gemälde, das sich im Saal der Villa “ La Bassana “ befindet, mit der Ansicht von Norden, d.H.: von der Straßenbrücke, die Robecco mit Magenta verbindet. Hierin sind beide Doppeltürme ersichtlich, während der Erste, der heute noch existiert, bereits weit vorangeschritten war mit bereits verputzten Wänden und Säulengänen mit Terassen, ist der Zweite noch im Anfangsstadium.

Eine lokale Untersuchung enthüllte weitere klärende Elemente: der Platz, auf dem die Villa entstehen sollte, ist unterkellert und an anderen Stellen sind Grundmauern erhalten, sowie Kapitelle, Fundamente, verwahrloste Teile von Säulen. Weiterhin haben verschiedene Fenster Reste von gemalten Rahmen. Übereinstimmend sagen diese Dokumente aus, daß die Arbeiten effektiv im großen Stiel begonnen haben, wobei mit Sicherheit die beiden Doppeltürme mit differentem Fertigstellungsgrad gebaut wurden. Eventuell fehlten dann die notwendigen Mittel oder aber wurde die Absicht bezüglich des Sommeraufenthaltes in Robecco geändert, somit wurde entschlossen, daß die zwei Flügel wieder abgebaut werden, wobei beim Zweiten, der noch im Anfangsstadium war, angefangen wurde, vielleicht um doch die Steine beim Palast in Mailand wiederzuverwenden, der ebenfalls in der Nähe des Kanals lag, wobei ausschließlich der Wasserweg für den Transport verwendet werden konnte (mündliche Überlieferung).

Der noch erhaltene Doppelturm wechselte wiederholt den Besitzer und wurde an beliebige Aktivitäten angepasst: Wohnung, Stall, Scheune, Käserei, usw.

Sein skelettartiges Aussehen erscheint bezaubernd und geheimnisvoll, das ist alles, was von einem großartigen Projekt übrig blieb.

Die Fußgängerbrücke

 Der bedeutenste Fall in Robecco im neunzehnten Jahrhundert war die Konstruktion der Fußgängerbrücke zwischen dem Stadtviertel Brisa, wo sich eine niedrige Furt befand, die auch als Pferetränke benutzt wurde und dem Stadtviertel S. Girolamo, bzw. Straße nach Castellazzo, die hinten mit einer Schranke geschlossen war.

Die Idee einer zweiten Brücke über den Großen Kanal, (wie bei bestimmten Anläßen der Schiffartskanal genannt wurde) mit relativem Projekt ist seit dem Jahr 1818 urkundlich belegt, man mußte aber für die Durchfürung noch weitere 30 Jahre warten.

In der Zeischenzeit konnte der Effekt bereits an einer schwimmenden Brücke experimentiert werden, die nach altem Gebrauch in Verbindung mit dem Fest des Schutzheiligen S. Giovanni Battista, am 11. Juli eingerichtet wurde, weil aus diesem Grund der Wächter des Kanals Schiffartsverbot angeordnet hatte. Dieser Einrichtung wurde wärend der kirchlichen Prozession benutzt, um zu alle Stadtviertel der Ortschaft zu gelangen.

Die Möglichkeit, den nächsten Schritt durchzufüren, war die unerwartete Subvention des adeligen Giuliano Dugnani, der in seinem Testament an die Gemeine Robecco ein Vermächtnis von Lit 8.000 für den Bau einer Brücke hinterließ.

Im Frühjar des Jahres 1842 war die Brücke fertig gestellt.

Die eiserne Brüstung war mit den Trägern der Brücke verbunden, um beide Strukturen mehr stabilität zu geben, auch weil an den Wochentagen die Brücke von den Burschen Gegenstand zur Handanlegung war.

Die Befölkerung bewies großes Interesse für des neue Werk, sogar in übermäßiger Weise bezüglich seiner Bestimmung, so daß bereits im Sommer des Jahres 1842 der Verkehr von beladenen Karren verboten werden mußte, auch wenn diese von Hand gezogen wurden, um eine Beschädigung der Stufen zu vermeiden.

VILLA DUGNANI

 Die ältesten Notietzen bezüglich dieser Villa, die am linken Ufer des Kanals positioniert ist, stammen aus der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, als sie Eigentum der Familie Cittadini war.

In 1632 baute Gerolamo Cittadini auf einem seiner Plätze in der Nähe seines Hausen ein Oratorium, den Heiligen Gerolamo und Onofrio geweiht.

In der Abschätzung von Robecco aus dem Jahre 1760 ist Don Giulio Dugnani als “ Mitbesitzer der Güter in diesem Ort und Gebiet “ aufgeführt.

Später überließ der Kardinal Antonio Dugnani die Villa dem mailänder Waisenhaus für Mädchen. Momentan ist dieser Wohnsitz im Besitz der Familie Benini - Bossi.

Zwischen den Räumen, die in der Inventur beschrieben und Anhang des Eigentumsnachweises ist, finden wir im Erdgeschoß einen Saal und einen Salon, beide zum Garten gerichtet und mit dem Hof durch eine Vorhalle verbunden; die Prunktreppe mit 2 Rampen ermöglicht die Verbindung zum Obergeschoß. Die Villa ist Restaurierarbeiten unterzogen worden, wobei einige Flügel abgerissen wurden.

Von dem altertümlichen adeligen Haus besteht heute lediglich das Zentralgebäude, gekennzeichnet durch die zum Kanal blickende Fassade mit einem dreiteiligen Säulengang.

Auf der Seite in Richtung der Matteotti-Str. ist ein Flügel aus dem funfzehnten Jahrhundert sichtbar, mit sehr interessanten Backsteinfenster und ein kleiner wertvoller Hof mit einem Brunnen in der Mitte.

Auf einigen Steinen, die für den Bau des Brunnens verwendet wurden, ist die Innschrift “ ad U.F. “ zu lesen, die an eine neugierige Gewohnheit erinnert. Die Bootsführer, die die Steine für den Bau des mailäder Domes transportierten, ließen nach Anfrage einen Teil des Materials gratis an den Ufern des Kanals. Auf den Steinen war die Innschrift “ ad usum fabricae “, d.H.: für den Bau des Domes. Hieraus entstand das Sprichwsort “ a Ufo “ = ohne zu zahlen.

VILLA “ LA BASSANA “

 Die Villa befindet sich am Ufer des Schiffartskanals und ist auf einem erhöhten Erdwall posizioniert hinter einem eindrucksvollen schmiedeeisernen Tor, Werk eines lokalen Handwerkers, Ernesto Mainardi, der, gemäß Erzählungen, für die Gestaltung mehrere Jahre benötigte, wobei das Motiv des Balkongeländers wiedergegeben wurde. Das Tor öffnet sich in der Mitte und ist an 2 Pfeiler befestigt, die wiederum Vasen und Gefieder tragen. Es ist sicherlich das Schönste schmiedeeiserne Tor vom Kanal.

Dieses Komplex hat, ausser seiner artistischen Schönheit, wegen seinen Reflexen im Wasser, seiner erhöhten Lage und wegen der Brücke ein ausserordentliches “ Ambiente “

Nach dem Tor kommt ein Garten, dessen kleine Seiten mit Mauern eingezäunt sind. Dahinter ist die Villa eingerahmt. Das zweistöckige Gebäude hat eine sehr lange Forderfront, die in die Bauernhäuser übergeht.

Der wertvollste Teil ist das Zentralgebäude, in dem sich ein Säulengang und eine Gallerie befindet, die letztere ist heute geschloßen (man beachte die gemalten Fensterläden). In einem Gemälde, das im Saal positioniert ist, erscheint diese Gallerie noch geöffnet und die Villa hat einen kompletten und interessanten Aspekt gegenüber der aktuellen Villa, weil außer des geöffneten Zentralgebäudes im ersten Stock Balkone und Fenster im Wechsel angebracht waren.

Es handelt sich um ein stabiles Bauwerk Ende 1600.

Vom Säulengang erreicht man in axialer Richtung den Saal, links die Treppen und rechts die Diensträume. Das Zentralgebäude ist gegenüber dem Rest der Villa zum Garten etwas vorstehend.

Die Villa ist mit einem typischen Türmchen versehen, das in diesem Fall sehr ausgedehnt ist. Die Kapelle, die der Jungfrau gewidmet war, ist nicht mehr vorhanden, daraus entstanden Lagerräume. Intern sind im Erdgeschoß noch einige Säle und die Treppe gut erhalten. Der Salon hat 6 sehr interessante perspektivische  Darstellungen des Kanals und seinen Villen (Archinto, Gromo, “ La Bassana “) und schmückende Gemälde, ausserdem eine ansehliche Einrichtung (vor allem der Kamin und die Spiegel), während die angrenzenden Säle neuklassizistisch geschmückt sind.

Von der Treppe sieht man eine beachtliche schmiedeeiserne Eingangstür, eine schmiedeeiserne Brüstung und Steine, ein wertvolles Beisiel der typisch lombardischer Herstellung.

SIRONI GARTEN

 Auf der linken Seite des Großen Schiffartskanals, gegenüber der Villa Archinto, sind einige bescheidene Gebäude mit anschließendem dichtem Garten: Besitztum der Sironi.

Die interessantesten und einzigartigsten Aspekte des Hauses sind die Ergebnisse des größenwahnsinnigen Ehrgeizes des Boldini, ein Verwalter der Litta Mailand, der sicherlich von einem Bau eines Sommeraufenthaltes, ähnlich der Schönsten um Robecco fantasierte.

Die Arbeiten begannen natürlich mit dem Garten, weil die Bäume viel Zeit benötigen um entsprechend robust zu werden und weil ohne diese Bäume eine Villa absolut als Bauernhof herabgesetzt wird.

Es war ein grandioser Garten: mit Baumgruppen, davon sehr seltene, mit künstlichen Anhebungen um die lombardische Ebene zu beleben. In der Mitte ein “ kleiner See “, bessergesagt, ein Wirrwarr mit Wasserläufen, die Inseln mit Hügeln formen, dessen Erde wiederum hergebracht wurde, überall Säulenstumpfe, Verzierungen, Statuen von bekannten Autoren wie Vela, der unteranderem das Kenotaph der Mutter Bordini mit gigantischer Figur derselben fertigte.

Das Projekt wird vernünftlicher Weise dem Balzaretti zugeschrieben, Autor mit ähnlichen zeichnerischen Effekten des mailänder öffentlichen Gartens (1856).

Im Garten ein Pferdestall, der hinter den bereits bestandenen Häusern gebaut und in den Garten einverleibt wurden.

Es war in der Zeit der Araberpfere: der zu verwendende Siel war somit maurisch, mit einer Front mit übersteigenden Bögen, Ställe und Gänge mit Kuppeln überdacht, die wiederum wie Moscheen von schlanken Säulen getragen wurden.

Dieses reichte noch nicht: die Tränken waren aus weissem Kalkstein und die Futterraufen aus Schmiedeeisen. An den Wänden waren Pferdeköpfe aus Holz geschnitzt. Garten und Pferdeställe der fünften Klasse, an einen Palast angepasst. Aber den Palast giebt es nicht, er wurde nie gebaut, weil dem Bordini die Substanzen fehlten und um in seiner Villa zu wohnen, wurde die von Crivelli stammende Residenz und die Häuser längs dem Kanal umgebaut.

Das Haus Crivelli, aus der 2. Hälfte 1700, wie aus der Pferdehoffront hervor geht, bewahrt eine elegante neuklassizistische Fassade, wenig bemalt und einige gemalte Kasettendecken.

 CASTELLAZZO DE’BARZI

 Castellazzo hat seinen Nahmen wahrscheinlich von einem antiken “ Castellazzo “ gleichbedeutend mit einem adeligen Bauwerk, kommunal oder privat, mit den bescheidenen Dimensionen einer Festung, die anschließend in ein “ vornehmes Haus “ umgewandelt oder aber als Landsitz eingesetzt wurde. Die Famielie Barzi wohnte hier von 1432 bis 1625. Gegen Ende 1600 sind die wirtschaftlichen Verkältnisse nicht mehr so wie die der Ahnen, weil die Nachfolger unfähig waren, das Vermögen zu verwalten; auch der adelige Aufenthaltsort - das antike Castellazzo - war in ein bedenkliches Sadium verfallen. Desshalb wurden genau in diesen Jahren Restaurierungsarbeiten durchgeführt, wobei es den barocken Aspeckten eines ländlichen Aufenthaltsortes erhielt, was heute noch erhalten ist.

Ein Teil des Vermögens wurde im Jahre 1736 der Körperschaft Longoni von Mailand vermacht, die noch Anfang 1800 als Inhaber galten. In dieser Körperschaft war unter den Schülern auch ein Alessandro Manzoni, der zusammen mit seinen Schulkameraden in das Ferienhaus in Castellazzo geschickt wurde, woran heute noch ein Grabmal im Ort erinnert.

 DIE SONNENUHREN IN CASTELLAZZO DE’ BARZI

 Im Vorort Castellazzo, im Hofe der Villa Arconati sind 2 Sonnenuhren restauriert worden, die vermutlich aus 1700 stammen.

Die Sonnenuhr grenzt im Gegensatz zur Mittagslienie mehr Stunden am Tage ab und zeigt lediglich den lokalen Mittag.

Die Sonnenuhren sind aufgebaut mit einem Schattenstab, der parallel zur Erdachse geneigt ist und dessen Spitzen genau nach Süden zeigen, während der Fuß zum Polarstern und somit nach Norden deutet.

Am Fuße des Stabes laufen Linien zusammen, die Stundenlinien. Wenn man die Wand betrachtet, siet man, daß die rechte Sonnenuhr die ware Sonnenstunde von Castellazzo anzeigt, während die linke die mitteleuropäische Zeit (die Zeit von unseren Uhren).

Zum ablesen dieser Sonnenuhren muß die Zeitabgleichung errechnet werden.

CASTERNO

 Der Wohnort Robecco sul  Naviglio war ursprünglich weniger bedeutend wie der nahegelegene und ältere Ort Casterno, römischer Herkunft.

Der Name “ Castrum Esternum “ anschließend in “ Casternum “ geändert, bedeutet befestigter Ort oder mit Mauern oder Gräben umgebener Ort.

Die Asphaltstrasse verlassend und Pfade und Feldwege folgend, neben entlanglaufende Gräben, Reihen von Pappeln und Jasmin und nachdem der “ Wald von S. Ambrogio “ durchquert ist, kommt man in die Nähe des Dorfes, posizioniert am Rande des Zyklons, der die äuserste Grenze des Flusses Ticino deutet und, wegen seiner etwas erhöhten Lage eine weite Aussicht ins Tal bietet, das reich an Feldern, Wiesen und Wälder ist.

DIE DREI BRUNNEN

 Kurz ausserhalb Casterno, in Richtung Carpenzago, umgeben von einer dichten Bepflanzung, zwischen Baumreihen und kleinen Robinienwälder versteckt sich der bekannte Brunnen, “die drei Brunnen “ genannt.

Er hat seinen Namen wegen den 3 Quellen, aus denen reines Wasser sprudelt mit in jeder Jahreszeit gleichbleibenden Temperaturen (9 - 12°).

Die Wasser der unterirdischen Ader reichen bis hier im wasserundurchläßigen Boden und erscheinen hier an der Oberfläche.

Seit jahrhunderten haben die Bauern hier ihre Kühe getränkt und Scharen von Frauen haben hier Ihre Wäsche gewaschen, schwatzend und sich abmühend, während Kindergruppen kleinen Fischen und Kaulquappen nachgiengen.

Die geschliffenen Steine, die als Waschbrett dienten, zeugen von einer längst vergessenen Weise, aber die ruhige Atmosphäre und die angenehme Frische verleihen den 3 Brunnen eine eindrucksvolle Ecke, die beibehalten und bewahrt werden muß.

DAS BEWÄSSERUNGSSYSYEM “ DIE MARCITE “ 

Die grüne Weite der Wiesen und Felder im Tal von Casterno sind mit Gerinne, Gräben und Kanäle durchzogen und unterbrochen, die im Wechsel austrocknen, sich verteilen und wieder zusammenfließen.

Diese werden von Quellen gespeist, deren Eigenschaft eine gleichbleibende Wassertemperatur von 12 ° ist und dieses auch im Winter, was wiederum diese spezielle Kultur der “ Marcita “ erlaubt.

Diese Art besteht darin, daß in den Jahreszeiten Herbst und Winter die Felder mit fließendem Wasser geringfügig überflutet weden, sodaß der Frost nicht in den Boden eindringen kann, das Gras kann somit laufend wachsen und wird im Jahr 7 bis 10 mal gemäht.

Diese Art der Marcite ist altertümlicher Herkunft (die ersten Urkunden stammen aus 1100 vC.); sie war bis vor wenigen Jahren sehr verbreitet und ist heute am aussterben.

DIE MÜHLEN

 Die Mühlen waren die ersten Maschienen, die die Wasserkraft nutzten. Der Anfang des Müllerhandwerkes war gegen Ende 1200, als mit entsprechenden Kanälen das Wasser von Quellen, vom Fluß Ticino oder vom Schiffartskanal ins Tal geleitet wurde und somit der Bau der Mühlen begünstigte.

Ihr historischer Moment war im Jahr 1245, als sie von Federico II, ein Neffe von Barbarossa (Rotbart), angezündet wurden, weil sie Mehl nach Mailand lieferten und somit seiner Besetzung standhalten konnte.

Eine der antikesten Mühlen im Tal, dessen Bau um 1400 erfolgte, ist die Mühle Pietrasanta (heiliger Stein). Sein herkömmlicher Name war “Mühlchen der Mönche der Werke Pia Di Falco, (diese Mönche lebten im Kloster in Casterno). Der jetzige Name kommt von den adeligen Pietrasanta, die einen großen Teil des Besitzes der Mönche übernahmen. Auf eine der Wände sieht man noch undeutliche Spuren einer schönen Freske mit datum 1404, die vom Artisten Giovanni Molinari gemalt wurde und die die Madonna mit Kind und danebenstehendem S. Sebastiano  zeigt. Diese Freske befindet sich heute in der Kirche in Carpenzago.

 DIE BAUERNHÖFE / MEIERHÖFE

 In der lombardischen Ebene ist der Bauernhof mit Innenhof typisch, d.H. ein Gebäude, das als Wohnungen des Verwalters und der Arbeiter, als Stall, Scheune und Geräteschuppen sowie für die Milchverarbeitung genutzt wurde. Alles ist um ein regelmäßiges Viereck angeordnet und in der Mitte befindet ich eine Tenne, auf der vorzüglich das Getreide getrocknet wurde.

In unserer Zone waren die tradizionellen Bauernhöfe häufig etwas kleiner, bestehend aus Wohnung und Geräteschuppen ohne Tenne und wurden “ Bauernhöfchen “ genannt.